Vorlauftemperatur Wärmepumpe erklärt: Warum 35 °C günstig sind, welche Temperaturen bei Heizkörpern möglich sind und wie Sie die Heizung optimieren
Weiterführend: Wer sich mit der Eignung einer Wärmepumpe im Bestand beschäftigt, sollte auch unseren Beitrag „Wärmepumpe im Altbau: Funktioniert das wirklich?“ lesen. Für die Kombination mit Solarstrom ist außerdem „Wärmepumpe mit Photovoltaik: Lohnt sich die Kombination?“ interessant.Tags: Wärmepumpe, Vorlauftemperatur Wärmepumpe, 35 Grad Wärmepumpe, Wärmepumpe 35°C, Heizkörper Wärmepumpe, Wärmepumpe Altbau, Heizkurve, Fußbodenheizung, Wärmepumpe Effizienz, Heizung optimieren,
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Vorlauftemperatur Wärmepumpe: Warum 35 °C der entscheidende Wert ist

Eine Wärmepumpe arbeitet besonders effizient, wenn sie das Heizwasser nicht auf eine unnötig hohe Temperatur bringen muss. Deshalb gilt eine Vorlauftemperatur von 35 °C als besonders günstiger Bereich für viele moderne Heizsysteme. Je niedriger die notwendige Vorlauftemperatur, desto kleiner ist grundsätzlich der Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Heizsystem – und desto weniger elektrische Energie benötigt die Wärmepumpe für die Wärmebereitstellung.

35 °C sind allerdings kein magischer Grenzwert und auch keine Voraussetzung dafür, dass eine Wärmepumpe überhaupt funktioniert. Auch Gebäude mit höheren Vorlauftemperaturen können mit einer Wärmepumpe beheizt werden. Entscheidend ist vielmehr, welche Temperatur das Gebäude an kalten Tagen tatsächlich benötigt und wie gut Heizflächen, Gebäudehülle und Wärmepumpe aufeinander abgestimmt sind.

Was bedeutet Vorlauftemperatur bei einer Wärmepumpe?

Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur des Heizwassers, das von der Wärmepumpe beziehungsweise dem Heizsystem zu den Heizflächen transportiert wird.

Das Wasser gibt dort Wärme an den Raum ab und fließt anschließend mit einer niedrigeren Temperatur als Rücklauf zurück.

Ein vereinfachtes Beispiel:

  • Vorlauf: 35 °C
  • Rücklauf: 30 °C
  • Heizflächen geben Wärme an den Raum ab
  • abgekühltes Wasser fließt zurück zur Wärmepumpe

Die Wärmepumpe erwärmt das Wasser anschließend erneut.

Wie hoch die notwendige Vorlauftemperatur ist, hängt unter anderem von der Außentemperatur, der Gebäudehülle, der Heizlast und den vorhandenen Heizflächen ab.

Warum sind 35 °C für Wärmepumpen so interessant?

Eine Wärmepumpe nutzt Energie aus der Umgebung – beispielsweise aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser.

Diese Wärme wird auf ein höheres Temperaturniveau gebracht, damit sie für die Heizung genutzt werden kann.

Je größer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und benötigter Vorlauftemperatur ist, desto anspruchsvoller ist diese Aufgabe für die Wärmepumpe.

Deshalb ist eine niedrige Vorlauftemperatur ein wichtiger Faktor für einen effizienten Betrieb.

Der Bundesverband Wärmepumpe empfiehlt bei Heizkörpern, möglichst auf niedrige Vorlauftemperaturen zu setzen. Für moderne Gebäude nennt der Verband beispielsweise 45 °C Vorlauf und 37 °C Rücklauf als gängigen Bereich; noch niedrigere Temperaturen sind anzustreben.

Auch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine Flächenheizung mit höchstens etwa 35 °C Vorlauftemperatur gegenüber höheren Temperaturen bei Heizkörpern eine günstigere Ausgangslage für die Jahresarbeitszahl bieten kann.

Ist 35 °C die ideale Vorlauftemperatur?

Das lässt sich nicht pauschal sagen.

35 °C können für eine Fußbodenheizung oder eine andere großflächige Heizfläche sehr gut geeignet sein. Ein älteres Gebäude mit kleinen Heizkörpern kann dagegen deutlich höhere Temperaturen benötigen.

Deshalb sollte die Frage nicht lauten:

„Wie bekomme ich meine Wärmepumpe unbedingt auf 35 °C?“

Sinnvoller ist:

„Welche möglichst niedrige Vorlauftemperatur reicht aus, um mein Haus auch an kalten Tagen ausreichend zu beheizen?“

Wenn ein Gebäude beispielsweise bei der maßgeblichen Außentemperatur mit 40 oder 45 °C ausreichend warm wird, kann eine Wärmepumpe ebenfalls effizient betrieben werden.

Der BWP empfiehlt bei Radiatoren eine Auslegung auf maximal 55 °C Vorlauf und 45 °C Rücklauf, wobei niedrigere Temperaturen anzustreben sind.

Vorlauftemperatur und Außentemperatur hängen zusammen

Die Vorlauftemperatur bleibt bei einer modernen Heizungsanlage normalerweise nicht das ganze Jahr über konstant.

Wenn es draußen mild ist, benötigt das Gebäude weniger Heizleistung.

Bei höheren Außentemperaturen kann deshalb eine niedrigere Vorlauftemperatur ausreichen.

Wird es draußen deutlich kälter, steigt der Wärmebedarf. Die Heizungsregelung erhöht dann normalerweise die Vorlauftemperatur entsprechend der eingestellten Heizkurve.

Vereinfacht kann man sich das so vorstellen:

AußentemperaturTypische Tendenz
+15 °Csehr niedrige Vorlauftemperatur
+5 °Cmoderate Vorlauftemperatur
0 °Chöhere Vorlauftemperatur
-10 °Cdeutlich höhere Vorlauftemperatur

Die tatsächlichen Werte unterscheiden sich von Gebäude zu Gebäude.

Deshalb ist es wenig aussagekräftig, lediglich einen einzelnen Vorlauftemperaturwert zu betrachten.

Was passiert bei 45 °C statt 35 °C?

Eine Wärmepumpe kann selbstverständlich auch mit 45 °C Vorlauf arbeiten.

Allerdings muss sie das Heizwasser stärker erwärmen als bei 35 °C.

Das kann sich auf die Effizienz und damit auf den Stromverbrauch auswirken.

Der Unterschied hängt wiederum von der Wärmequelle und den konkreten Betriebsbedingungen ab. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hat beispielsweise andere Arbeitsbedingungen als eine Erdreich-Wärmepumpe.

Daher sollte man nicht behaupten, dass eine Wärmepumpe bei 45 °C automatisch unwirtschaftlich arbeitet.

Vielmehr gilt: Je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur bei gleicher Heizleistung ist, desto günstiger sind grundsätzlich die Voraussetzungen für einen effizienten Betrieb.

Warum Fußbodenheizungen besonders gut geeignet sind

Fußbodenheizungen besitzen eine sehr große Heizfläche.

Die Wärme wird nicht nur über einen kleinen Heizkörper an einer Wand abgegeben, sondern über eine große Fläche des Fußbodens.

Dadurch kann das Heizsystem mit relativ niedrigen Temperaturen arbeiten.

Das ist einer der Gründe, warum Wärmepumpen und Flächenheizungen häufig miteinander kombiniert werden.

Allerdings bedeutet das nicht, dass eine Wärmepumpe zwingend eine Fußbodenheizung benötigt.

Auch Heizkörper können funktionieren, wenn sie ausreichend groß dimensioniert sind und die benötigte Vorlauftemperatur entsprechend niedrig bleibt. Der BWP weist ausdrücklich darauf hin, dass Wärmepumpen auch mit Heizkörpern effizient betrieben werden können.

Funktioniert eine Wärmepumpe mit normalen Heizkörpern?

Ja.

Die Aussage „Wärmepumpe funktioniert nur mit Fußbodenheizung“ ist zu pauschal.

Entscheidend ist die erforderliche Vorlauftemperatur.

Großzügig dimensionierte Heizkörper können auch mit relativ niedrigen Temperaturen genügend Wärme an den Raum abgeben.

Ein Praxisbeispiel des Bundesverbands Wärmepumpe zeigt ein Gebäude mit 150 m² Wohnfläche, das ohne Fußbodenheizung mit einer Wärmepumpe beheizt wird. Durch neue Heizkörper konnte die erforderliche Vorlauftemperatur von 55 auf 35 °C reduziert werden.

Das Beispiel zeigt gleichzeitig, welchen Einfluss die Heizflächen auf die notwendige Vorlauftemperatur haben können.

Was tun, wenn 55 °C benötigt werden?

Auch eine benötigte Vorlauftemperatur von 55 °C bedeutet nicht automatisch, dass eine Wärmepumpe ausgeschlossen ist.

Eine aktuelle Auswertung des Instituts Wohnen und Umwelt, über die der Bundesverband Wärmepumpe berichtet, untersuchte rund 60 Wärmepumpenanlagen in hessischen Wohngebäuden. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Heizkörpern und Vorlauftemperaturen bis 55 °C wurde in der Untersuchung eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,05 berichtet.

Das zeigt: Auch Bestandsgebäude mit höheren Vorlauftemperaturen können mit Wärmepumpen betrieben werden.

Trotzdem lohnt es sich zu prüfen, ob die erforderliche Temperatur durch geeignete Maßnahmen reduziert werden kann.

Wie lässt sich die Vorlauftemperatur senken?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Heizkörper vergrößern

Größere Heizflächen können bei derselben Raumtemperatur mehr Wärme abgeben.

Dadurch kann die Vorlauftemperatur möglicherweise reduziert werden.

Besonders interessant kann der Austausch kleiner alter Heizkörper gegen moderne Niedertemperatur-Heizkörper sein.

Hydraulischen Abgleich durchführen

Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass die Heizflächen entsprechend dem tatsächlichen Wärmebedarf mit Heizwasser versorgt werden.

Das kann helfen, die Heizungsanlage besser einzustellen.

Der Bundesverband Wärmepumpe nennt den hydraulischen Abgleich ausdrücklich als eine mögliche Maßnahme zur Vorbereitung eines Gebäudes auf niedrigere Vorlauftemperaturen.

Gebäudehülle verbessern

Eine bessere Dämmung kann den Wärmebedarf eines Gebäudes reduzieren.

Weniger Wärmeverluste bedeuten, dass die Heizflächen weniger Wärme nachliefern müssen.

Je nach Gebäude können beispielsweise Dach, Außenwand, Kellerdecke oder Fenster eine Rolle spielen.

Allerdings sollte nicht automatisch eine komplette Sanierung durchgeführt werden, nur um eine Wärmepumpe einzubauen. Entscheidend ist eine individuelle Betrachtung von Heizlast, Gebäudeverlusten und Heizflächen.

Heizkurve optimieren

Eine falsch eingestellte Heizkurve kann dazu führen, dass die Heizung unnötig hohe Vorlauftemperaturen bereitstellt.

Eine schrittweise Optimierung kann deshalb sinnvoll sein.

Dabei sollte die Raumtemperatur weiterhin ausreichend sein.

Kann man die Vorlauftemperatur einfach auf 35 °C einstellen?

Davon sollte man nicht pauschal ausgehen.

Wenn das Gebäude bei niedrigen Außentemperaturen mehr Wärme benötigt, reichen 35 °C möglicherweise nicht aus.

Dann können Räume auskühlen.

Die richtige Einstellung hängt deshalb von der Heizlast und der Auslegung des Heizsystems ab.

Ein niedrigerer Wert ist nicht automatisch besser, wenn dadurch der gewünschte Wohnkomfort nicht mehr erreicht wird.

Das Ziel sollte eine möglichst niedrige, aber ausreichend hohe Vorlauftemperatur sein.

Was bedeutet die Vorlauftemperatur für den Stromverbrauch?

Die Vorlauftemperatur ist ein wichtiger Einflussfaktor auf den Stromverbrauch einer Wärmepumpe.

Eine niedrigere Temperatur kann den erforderlichen Temperaturhub reduzieren und damit die Arbeitsbedingungen der Wärmepumpe verbessern.

Der tatsächliche Stromverbrauch hängt jedoch von vielen weiteren Faktoren ab:

  • Heizlast des Gebäudes
  • Außentemperatur
  • Wärmequelle
  • Wärmepumpentyp
  • Heizkurve
  • Warmwasserbereitung
  • Gebäudezustand
  • Nutzerverhalten
  • Betriebsweise
  • Dimensionierung der Anlage

Deshalb lässt sich aus einer Vorlauftemperatur von beispielsweise 35 °C allein kein konkreter Jahresstromverbrauch ableiten.

Welche Vorlauftemperatur ist im Altbau sinnvoll?

Im Altbau gibt es keine universelle Zieltemperatur.

Viele Bestandsgebäude können mit einer Wärmepumpe betrieben werden, ohne dass eine Fußbodenheizung nachgerüstet werden muss.

Der BWP nennt für Bestandsgebäude Heizkörper, die mit bis zu 55 °C Vorlauf auskommen, als mögliche Ausgangslage. Gleichzeitig können Heizkörpertausch, Flächenheizungen und andere Optimierungsmaßnahmen helfen, die benötigte Temperatur weiter abzusenken.

Interessant ist deshalb ein praktischer Test des bestehenden Heizsystems: Wie niedrig kann die Vorlauftemperatur an einem kalten Tag eingestellt werden, ohne dass die Räume ihre gewünschte Temperatur verlieren?

Eine solche Beobachtung kann erste Hinweise liefern. Für die konkrete Planung einer Wärmepumpe ersetzt sie jedoch keine fachgerechte Heizlastberechnung.

Warum die Heizlast wichtiger ist als eine einzelne Zahl

Die Vorlauftemperatur steht immer in Zusammenhang mit der Heizlast.

Die Heizlast beschreibt vereinfacht, wie viel Heizleistung ein Gebäude unter bestimmten Auslegungsbedingungen benötigt.

Der BWP nennt die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 als eine wesentliche Eingangsgröße bei der Dimensionierung einer Wärmepumpe. Auch die Vorlauftemperatur und die Produktdaten der Wärmepumpe müssen bei der Auslegung berücksichtigt werden.

Deshalb sollte eine Wärmepumpe nicht ausschließlich nach dem Motto „35 °C sind gut“ ausgewählt werden.

Viel wichtiger ist das Zusammenspiel aus:

Heizlast + Heizflächen + Vorlauftemperatur + Wärmequelle + Wärmepumpe + Regelung.

35 °C als Ziel – aber nicht als Zwang

35 °C sind ein sehr interessanter Wert, weil eine so niedrige Vorlauftemperatur gute Voraussetzungen für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb schafft.

Sie sollten jedoch nicht zum Selbstzweck werden.

Ein gut geplantes System mit 40 oder 45 °C kann ebenfalls sinnvoll funktionieren. Und auch höhere Vorlauftemperaturen schließen eine Wärmepumpe nicht automatisch aus.

Entscheidend ist immer, welche Temperatur das konkrete Gebäude tatsächlich benötigt.

Wer vor dem Einbau einer Wärmepumpe steht, sollte deshalb nicht nur die Wärmepumpe betrachten. Heizkörper, Heizkurve, hydraulischer Abgleich, Dämmung und Heizlast gehören genauso zur Planung.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • 35 °C sind für Wärmepumpen eine sehr günstige niedrige Vorlauftemperatur.
  • Je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur, desto günstiger sind grundsätzlich die Voraussetzungen für die Effizienz.
  • Eine Wärmepumpe benötigt nicht zwingend eine Fußbodenheizung.
  • Auch Heizkörper können mit einer Wärmepumpe funktionieren.
  • 45 oder 55 °C schließen eine Wärmepumpe nicht automatisch aus.
  • Größere Heizflächen können helfen, die Vorlauftemperatur zu reduzieren.
  • Ein hydraulischer Abgleich und eine passende Heizkurve können die Anlage optimieren.
  • Die tatsächliche Zieltemperatur sollte anhand der Heizlast und der Heizflächen bestimmt werden.

Wer die Wärmepumpe optimal betreiben möchte, sollte deshalb nicht einfach die niedrigste mögliche Temperatur einstellen. Besser ist eine so niedrige Vorlauftemperatur wie möglich und so hoch wie nötig, damit das Gebäude auch an kalten Tagen zuverlässig warm bleibt.

Weiterführend: Wer sich mit der Eignung einer Wärmepumpe im Bestand beschäftigt, sollte auch unseren Beitrag „Wärmepumpe im Altbau: Funktioniert das wirklich?“ lesen. Für die Kombination mit Solarstrom ist außerdem „Wärmepumpe mit Photovoltaik: Lohnt sich die Kombination?“ interessant.

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